Island 2011

Tag 5

Tag 5

Mývatn

Der See Mývatn hat seinen Namen „Mückensee“ von den teilweise riesigen Mückenschwärmen, die wie Rauchsäulen am Ufer stehen können. Allerdings sind es zum größten Teil nichtstechende Zuckmücken. Trotzdem waren wir froh, dass wir praktisch gar keine Mücken zu sehen bekommen haben. Seine Entstehung verdankt der See einem Ausbruch des →Schildvulkans Ketilgyngja, dessen Lava bei einem Ausbruch vor 3500 Jahren den See aufstaute.

Fluss Laxá beim Mývatn
Mývatn

Auch die Umgebung des Mývatn ist durch Vulkanismus geprägt. Vor allem die Pseudokrater von Skútustaðir fallen auf.

Pseudokrater beim Mývatn
Lava mit röhrenartigem Hohlraum

Pseudokrater

Pseudokrater haben keine Verbindung zu einem Magmareservoir und stoßen daher selbst keine Lava aus. Sie entstehen, wenn Lava über Wasser – also Seen, Teiche oder Sümpfe – fließt. Die Lava erhitzt das Wasser, dieses verdampft und der Dampf dehnt sich dabei explosionsartig aus. Er durchstößt die Lavadecke, wobei sich die kraterähnlichen Strukturen bilden.
Ein kleines Experiment, das die Ausdehnung von verdampfendem Wasser anschaulich zeigt, finden Sie unter →http://waermekraft.wissenstexte.de/dampf.htm

Weitere Bilder vom Mývatn finden Sie in dieser →Bildergalerie zu Tag 5.

Tafelberg beim Mývatn

Tafelberg

Die isländischen Tafelberge entstehen nicht, wie bspw. im Elbsandsteingebirge durch Erosion von Sedimentgesteinen, sondern wenn Lava sich von unten in einen Eisschild frisst. Nach Abschmelzen des Gletschers bleibt der Tafelberg übrig. Sie bestehen aus →Tuff und sind oben – wo der Berg aus dem Eis herausragte – oft von einer Lavaschicht bedeckt. Der berühmteste Tafelvulkan Islands ist die Herðubreið, die wir auf dieser Reise aber nur von weitem zu Gesicht bekamen.

Dimmuborgir

Dimmuborgir bedeutet „dunkle Burgen“ – und genau so sehen die Lavastrukturen auch aus. Eine Theorie zu ihrer Entstehung geht davon aus, dass sich Lava über einen See oder ein Moor ergoss, dann an der Oberfläche und an der Unterkante rasch abkühlte, dazwischen aber flüssig blieb. Das unter der Lava verdampfende Wasser bildete Pseudokrater, zwischen denen dann die flüssige Lava abfloss, wobei sich Gänge und Klüfte bildeten. Die bereits erstarrte Oberfläche der Lava zerbrach und die Stücke fielen zwischen die Krater. Alles zusammen führte zu den fantastischen Lavastrukturen, zwischen denen man sich nicht wundern würde, auf Elfen zu treffen …

Lava in Dimmuborgir

Weitere Bilder von Dimmuborgir finden Sie in dieser →Bildergalerie zu Tag 5.

Herfvjall

Der Explosionskrater Hverfall ist ein →Tuffring mit etwa 1 km Durchmesser und 90 bis 150 m Höhe. Er gehört zum Vulkansystem der Krafla und entstand vor 2500 Jahren, als heißes Magma auf Grundwasser stieß, dieses erhitzte und in gewaltigen Explosionen verdampfen ließ. Der Ring entstand, weil die nach oben entweichende riesige Wasserdampfsäule in ihrem Innern nichts absinken ließ (wegen der aufwärts gerichteten Strömung). Nur an ihrem Rand konnte Material nach unten fallen und bildete den Tuffring. Da es durch den Wasserdampf rasch abkühlte, erstarrte es →glasig.

Krater, Pseudokrater und Explosionskrater

Ein „normaler“ Vulkankrater ist die Austrittsöffnung der Lava. Bei Schicht- oder Zentralvulkanen liegt der Krater oft am Gipfel des Vulkans. Kleiner als →Schicht- oder Schildvulkane sind Schlackenkegel, die nur einige zehn bis einige hundert Meter hoch werden. Sie haben die Form eines Kegelstumpfes mit relativ steilen Flanken. Beim Schlackenkegel besteht der Wall aus locker geschichteter →Asche, die nur durch die Schwerkraft zusammengehalten wird. Beim Schweißschlackenkegel sind die Bestandteile groß genug (Lapilli und Bomben), dass sie beim Auswurf noch nicht vollständig verfestigt sind und deshalb beim Aufprall verkleben können.

Ein Explosionskrater entsteht, wenn Magma mit einer größeren Wassermenge in Berührung kommt, wenn also beispielsweise das aufsteigende Magma auf Grundwasser trifft oder wenn sich Risse bilden, durch die dann Oberflächenwasser zum Magma hin vordringen kann. Das Wasser verdampft sofort, vergrößert dabei sein Volumen auf das 1000-Fache, zertrümmert dabei das umliegende Gestein und sprengt einen Krater in den Untergrund. Um diesen Krater bildet sich ein Wall aus den herabfallenden Gesteinstrümmern. Das können sowohl Trümmer aus dem zerfetzten Umgebungsgestein als auch Lavabrocken sein. Besteht der Wall aus lockerer Asche, nennt man den Krater Aschenkegel, hat sich die Asche im Laufe der Zeit durch den im Wall herrschenden Druck zu →Tuff verfestigt, spricht man von Tuffringen oder Tuffkegeln. Der Tuffring Hverfall ist auf die Weise entstanden, der →Ljótipollur, aber auch die Eifelmaare (ein Maar ist ein Explosionskrater mit Tuffring drumherum). Aus solchen Explosionskratern tritt selten Lava aus.

Pseudokrater schließlich entstehen zwar auch durch Wasserdampfexplosionen, aber wenn Lava (also bereits an die Erdoberfläche getretenes Magma) über Seen oder Moore wegfließt. Die Wasserdampfexplosion reißt den Krater von unten in die Lavaschicht hinein; beim Explosionskrater zerreißt die Explosion die Erdoberfläche über dem Magma.

Tuffring Hverfjall
Explosionskrater Hverfjall hinter der Lava von Dimmuborgir
Blick in den Explosionskrater Hverfjall

Weitere Bilder vom Hverfjall finden Sie in dieser →Bildergalerie zu Tag 5.

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Copyright© 2011, Wiebke Salzmann

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